Was ist SUQ?

SUQ – solidarisch, unaufgefordert, queer

SUQ ist eine queere aktivistische Politgruppe: Menschen, die sich 2015 in Frankfurt am Main zusammengefunden hat, um gemeinsam queere Debatten zu führen, sich zu bilden und um Veranstaltungen zu organisieren, die sich in dem Spannungsfeld queerer und linker Politik wiederfinden. Für uns ist linke Politik ohne eine queere, politische Perspektive nicht vorstellbar. Gleichzeitig ist für uns queere Politik ohne eine linke Gesellschaftsanalyse und emanzipatorische Ansprüche nicht denkbar.

Gegen Rechte möchten wir nicht nur deshalb politisch mobilisieren, weil sie eine völkische Ideologie vertreten, sondern auch weil sie eine reaktionäre Politik und Praxis zu Geschlecht, Geschlechterrollen und Sexualität durchsetzen wollen. Wir möchten innerhalb unserer Demos, Bezugsgruppen und Politveranstaltungen homo- und transfeindliche sexistische Verhältnisse ansprechen und versuchen sie zu überwinden. Wir möchten nicht in eine kapitalistische Normalität integriert werden, die Unterdrückungen und Ungleichheiten (re)produziert statt mit diesen Strukturen zu brechen. Ein besseres Leben für alle bedeutet für uns nicht nur die Abschaffung eines pathologischen Blicks auf Körper, Geschlechtsidentitäten und Sexualität, sondern auch die kritische Thematisierung von miesen Löhnen und Mieten, konservativen (Klein-)Familienmodellen, anti-emanzipatorischer Bildung, exklusiver Gesundheitspolitik sowie anderer gesellschaftliche Ausschlüsse. Diese Missstände gehört es anzugreifen.

Wir möchten queere Impulse in die linke Szene und linksradikale Impulse in die queere Szene bringen. Als Politgruppe in Frankfurt am Main und darüber hinaus.

Solidarisch

Wir sind solidarisch mit einer Vielzahl von emanzipatorischen Kämpfen, weil wir wissen, dass unsere politischen Kämpfe mit diesen zusammenhängen. Wir pflegen einen solidarischen Umgang mit anderen linken und anderen queeren Gruppen. Vernetzung und der Austausch mit diesen Gruppen ist für uns sehr wichtig. Wir möchten durch das gemeinsame Reden, Planen und den Aktionismus unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und auch selbst immer weiter dazulernen. Sowohl wir als Gruppe als auch wir Einzelpersonen sind in Entwicklungs- und Denkprozessen, die niemals “fertig” sind und sich somit auch immer wieder ändern und verschieben. Fundament hierfür ist unser queer_feministischer und linksradikaler Anspruch. Auch in unseren Gruppenprozessen versuchen wir, eine solidarische Haltung zueinander zu finden. Denn für uns ist nicht nur relevant was wir tun, sondern auch wie wir es tun.

Wir lassen uns nicht mit “Eingetragenen Lebenspartnerschaften” oder bunten CSDs in Frankfurt und darüber hinaus befrieden. Auch wenn sich insbesondere für schwul-lesbische Lebensweisen in den letzten Jahrzehnten eine größere gesellschaftliche Anerkennung entwickelte, täuscht dies keineswegs über die Oberflächlichkeit hinweg, mit der diese toleriert werden – toleriert insbesondere dann, wenn sie in ein heteronormatives Modell der Kleinfamilie passen. Das angebliche Ankommen der “Homosexuellen” in der Mitte der Gesellschaft bedeutet, dass zugleich marginalisierte Teile der queeren Community unsichtbar werden.

Unaufgefordert

Unaufgefordert bedeutet, dass wir nicht erst warten, bis besorgniserregende Eltern uns erzählen, was für Kinder relevant ist. Wir warten nicht darauf, dass uns jemand erlaubt, “auch mal was sagen” zu dürfen. Kritik am gegenwärtigen Zustand fällt uns auch ohne Aufforderung genug ein. Viel lieber wollen wir durch inhaltliche Debatten und politische Aktionen gesellschaftliche Utopien entwickeln und revolutionäre Prozesse anschieben. Unaufgefordert ist zugleich auch non-konform. Wir haben keinen Bock auf bürgerliche Inklusionspolitiken, die sich an einer Norm orientieren, die wir alles andere als normal finden. Wir wollen eine bessere Welt und entwickeln dafür Ideen und Praxen.

Queer

Queer ist eine Utopie und ein Instrument. Es ist der Blick, mit dem wir die Welt sehen, auch wenn sie uns nicht immer so sehen will. Queer bedeutet für uns, Normen bezüglich Geschlecht, Körper, Sexualität und den damit verbunden rassistischen, kapitalistischen Machtverhältnissen zu hinterfragen und zu kritisieren. Queer bezeichnet also sowohl Personen, deren Köper, Begehren, Sexualität als abweichend, pervers, falsch oder anders gelten, aber auch deren strikte Einteilung in Kategorien. Für uns sind Identitäten fluide, aber nicht beliebig. Queer sein bedeutet auch als “anders” erkennbar zu sein, Gewalt oder Unsichtbarkeit zu erfahren. Aus dieser Erfahrung und mit dieser Perspektive machen wir Politik. Wir begreifen Geschlecht beispielsweise als Konstruktion, ohne dessen Wirkmächtigkeit in Geschlechterhierarchien zu ignorieren. Queere Politik beinhaltet für uns daher, die Notwendigkeit einer gemeinsamen Organisierung statt die Fortführung einer Perspektive, die auf Individualismus fokussiert.